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    presseartikel neues bülacher tagblatt vom 25.09.2004  
 

Samstag, 25. September 2004

Gabriela Bergallo über Nostalgien und Zukunftsmusik
Tango ist Poesie
 
Embrach — Mit ihrer Stimme, mit ihrem Wesen, erzählt sie Geschichten, die emotional berühren. Sie interpretiert eine Musik, die über die Notenzeilen heraus lebhaft und spürbar ist. Seit 1990 lebt die argentinische Sängerin Gabriela Bergallo in Embrach und konzertiert an unterschiedlichen Veranstaltungen.
 


Gabriela Bergallo, verheiratet, keine Kinder. Hobbys: Gesang, Lesen, Kino, Musik. Berufliche Tätigkeit: Sängerin, berufliche Ausbil dung: Dolmetscherin Englisch-Spanisch, Sängerin. (Bild: flo)

von Florian Schaer

Ihre südamerikanischen Lieder, vor allen Dingen ihre Tango-Stücke wiederspiegeln das wohl Menschlichste an Leben, Liebe und Sehnsucht. Und sie wiederspiegeln sie selbst. Gabriela Bergallo trägt nicht einfach vor, ihr Gesang erzählt Geschichten, portraitiert ein Südamerika der grossen Gefühle, der leidenschaftlichen Hingabe, aber auch des Verlustes, des Schmerzes. Dazu ist ihre Musik stets vermengt mit dem nötigen Quantum Nostalgie. «Die Leute in Buenos Aires sind immer sehr, sehr nostalgisch. Es ist daher wohl auch kein Zufall, dass die Wurzeln des Tangos dort zu finden sind» erklärt sie. Seit 1990 lebt sie mit ihrem Gatten, Nicola Di Capua, in Embrach. Wäre Heimweh da nicht auch eine Form von Nostalgie? «Ich bin mit Argentinien sehr stark verbunden. Meine Mutter halte ich regelmässig über den Internet-Chat auf dem Laufenden. Allerdings fühle ich mich in Embrach mitunter heimisch, sicherlich auch dank Nicola.» Die beiden haben mit Hilfe ihrer weltweiten Beziehungen zu herausragenden Musikern Anfang September das zweite Piccolo Musikfestival in Embrach auf die Beine gestellt. Ihr neuer Verein «Teatro die Capua» soll inskünftig für eine gewisse Regelmässigkeit der Veranstaltungen bürgen. (das NBT berichtete). «Neben dem Gesang bin ich also vor allem auch mit der Realisierung von kulturellen Anlässen beschäftigt, obschon ich eigentlich nicht von Natur aus eine Organisatorin bin.»

«Wenn ich singe, spare ich nicht»

«Heute wählt Gabriela Bergallo sich die Lieder aus, die sie interpretieren will. Sie setzt sich sehr intensiv mit den Noten, aber auch mit der Entstehungsgeschichte der Musik und mit dem Leben des Komponisten auseinander. «Mich interessiert immer, was um ein Stück herum geschrieben steht.» Der Tango sei in Buenos Aires nach wie vor allgegenwärtig. Schon in den 60er Jahren wäre er sehr weit verbreitet und ein fester Bestandteil der dortigen Kultur gewesen. «Schon deshalb gibt es natürlich auch eine ganze Reihe politischer Tango-Texte, die von der argentinischen Geschichte erzählen, von den Ängsten der Militärherrschaft und so weiter. Allerdings tragen die Tangos, die ich für mich ausgewählt habe sehr poetische Texte. Und sie sind eine Musikform, die diese Poesie hervorragend zu erzählen versteht. Politisches singe ich gegenwärtig nicht, trete der Politik aber überhaupt nicht verschlossen gegenüber.»

Die gesellschaftliche Funktion der Kunst sieht sie darin, den Menschen ein positives Gefühl zu vermitteln. «Man schenkt den Leuten etwas von einem selbst, was sie emotional berührt. Und wenn du selber berührbar bist, dann bist du vielleicht eher ein guter Mensch, als wenn du gleichgültig bist. So empfinde ich es jedenfalls.» Wenn sich Gabriela Bergallo ein Konzert anhören geht, dann seien ihre Erwartungen gross. «Ich erwarte keine Perfektion, aber ich erwarte Emotion. Und diesen Anspruch stelle ich auch an mich selbst.»

«Singen sollte im Grunde für alle etwas ganz Natürliches sein. Schliesslich sind die Rhythmen schon in uns drinnen», sagt sie. Gesungen habe sie immerhin schon als kleines Kind. Als Kind in Buenos Aires der 60er Jahre, wo sie aufgewachsen ist. Sie hat sich oft selber auf der Gitarre begleitet und sehr früh damit begonnen, selber zu komponieren. Für mich persönlich war der Gesang immer das liebste Mittel mich auszudrücken, zu kommunizieren. Vielleicht war mein Vater Schuld daran. Er liebte die Musik; den Tango, Jazz, Folklore und auch die Klassik. Allerdings habe ich die Welt der Oper selber entdeckt, später», erzählt sie. Auf der Opernbühne war sie zwar nie anzutreffen. Dennoch finden sich in ihren Konzertprogrammen immer wieder einzelne Arien, beispielsweise aus Rossinis «Il Barbiere di Siviglia». Ihre klassische Gesangsausbildung begann sie mit 19 Jahren, parallel zum Jura-Studium — und auf eigene Initiative. «Ich habe irgendwie gemerkt, dass man eine technische Ausbildung der Stimme braucht, wenn man sich an schwierigere Werke heranwagen will. Nun, diese Ausbildung, die ich genossen habe, hat mir sehr viele Türen geöffnet. Ich habe meine Stimme als etwas sehr Spannendes, fast Mysteriöses kennen gelernt, die ganz Unterschiedliches auszudrücken vermag, was in mir selbst verborgen ist, sich vielleicht gar meinem Bewusstsein entzieht.» Neben ihrem Studium arbeitete sie als Dolmetscherin für Spanisch und Englisch. Mit ihrer Musiklehrerin aus Buenos Aires reiste sie nach Italien und kam 1989 in die Schweiz. Hier konzertierte sie unter anderem im Zürcher Volkshaus und in der Tonhalle. 1993 schloss sie ihr Musikstudium in Schaffhausen ab. Gegenwärtig verfeinert Gabriela Bergallo ihr musikalisches Repertoire und bereitet neue unterschiedliche Programme vor. Ein Südamerikanischer Liederabend, selbstverständlich auch ein Tango-Programm zusammen mit dem Pianisten Daniel Almada, ferner eine Zusammenstellung von brasilianischen Volksliedern.

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